Wie Du Dich und Dein Kind aus einer Krise coachen kannst

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„Mama, was würdest Du tun, ich weiß nicht mehr weiter!“

Der Freund meines Kindes kündigt ihm per Whatsapp die Freundschaft. BÄM. Das geht mitten ins Herz. Ich sehe seine Ohnmacht und Trauer, gemischt mit Wut und Fassungslosigkeit. Ich bin genauso geschockt und fühle, wie wütend ich werde. Wie Ohmächtig. Mein Kind wurde verletzt – und somit ein stückweit auch ich selbst.

Sicher kennst Du auch diese Momente in Deinem Leben, wo alles zusammenzubrechen scheint. Alles wegbricht. Du vor lauter Gefühlschaos nicht weißt, was Du tun kannst.

Ein geliebter Mensch verlässt Dich unerwartet. Du erhältst Deine Kündigung. Du fällst durch eine wichtige Prüfung.

Du stehst plötzlich mit allem alleine da.

Eine Freundschaft zerbricht. Eine Krankheit zwingt Dich in die Knie.

Ich kenne diese Momente sehr gut. Vielleicht hätte ich einige Tiefschläge sogar noch kommen sehen, doch wenn sie dann wirklich eintraten, hatte ich oft das Gefühl, das mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird und der innere Schmerz unaushaltbar ist. Auf diesen Schmerz konnte ich mich nie vorbereiten und auch meine Liebsten nicht. Leider.

Alles tut weh, der Hals schnürt sich zu, das Herz ist über eine gewisse Zeit in tiefer Trauer. Es fühlt sich oft so an, als wenn es nie wieder gut wird. 

Eine schwere Krise zu meistern, ist ein wiederkehrendes Thema in meinem und wahrscheinlich auch in Deinem Leben.

Das Wort Krise bedeutet in chinesischen Gefahr und Gelegenheit. Krisen gehören zum Leben dazu.

Ok,hilft Dir im akuten Moment auch nicht weiter.

Aber was tun, wenn Du oder ein Dir nahestehender Mensch sich aktuell in einer Krise befinden?

Ein wichtiger Punkt, Krisen zu meistern, ist, mich daran zu erinnern, wie ich früher kritische Lebenssituationen  bewältigt habe. Mir gerade in schweren Zeiten selbst der beste Freund zu sein, hat mir rückblickend viel Kraft gegeben. Und genauso in guten Zeiten. Das war die  beste Vorbereitung auf innere Krisen. Und ich bin damit ein Vorbild für meine Kinder. Kinder lernen die ersten 7 Jahre am meisten über das imitieren unseres Verhaltens und übernehmen es. Daher ist der größte Schatz für ein Kind, wenn wir es als Eltern schaffen, Krisen zu meistern. Wenn Dein Kind in einer Krise ist, hilft es, erstmal einfach nur da zu sein. Vielleicht zu erzählen, was Dir geholfen hat. Wir neigen manchmal das Kind zu sehr zu trösten, weil den Schmerz, den es empfindet, nicht aushalten können.

Doch bitte mit Vorsicht – Trauer darf sein. Wir können am besten unterstützen, indem selbst resilienter werden.

Vor vielen Jahren durfte ich in meiner Körperpsychotherapieausbildung etwas über Resilienz lernen.

Was resiliente Menschen können?

Es gibt Menschen, die schwierige Lebenssituationen mit einer hohen, inneren Widerstandskraft bewältigen. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihnen, schneller in ihre Kraft zurückzukehren und die kritische Situation aktiv zu gestalten. Diese Eigenschaft nennt sich Resilienz oder auch Selbstwirksamkeit.  In mir wuchs die Frage :“Verfüge etwa auch ich über diese Selbstwirksamkeit?“ Wenn ich auf mein Leben zurückschaue: mit Sicherheit. Es gab immer eine großen Willen in mir, mich aus verfahrenen Situationen zu befreien. Das heißt nicht, das es leicht war. Aber es war möglich. Akut hilft mir, im Hier und Jetzt zu bleiben um nicht in alte Verhaltensmuster abzugleiten. Die innere Stimme stoppen, die mir vielleicht sagen will, das ich es als Mensch ja auch nicht anders verdient habe. Also nehme ich bewusst meine Umgebeung wahr. Dabei hilft mir die 5,4,3,2,1 Übung:

Was sehe ich? Ich zähle 5 Dinge auf, die ich sehe.

Was höre ich? Ich zähle 4 vorhandene Geräusche auf.

Was rieche ich? Ich nehme 3 Gerüche wahr

Was schmecke ich? Ich nehme den Geschmack auf meiner Zunge wahr.

Was fühle ich äußerlich ? Hitze, Kälte, den Stoff auf meiner Haut etc..

Damit unterbreche ich einen inneren Absturz.  Langfristig hilft zum erreichen der Selbstwirksamkeit ein eigenes Training.

Wie Du mehr Selbstwirksamkeit erlangst:

Eine Möglichkeit, die mir sehr geholfen hat: Fange an zu schreiben! Diese Übung eignet sich auch für Teenager.

Beginne mit einer Bestandsaufnahme der Situation:

Mir hilft immer eine schriftliche Bestandsaufnahme.

Warum schriftlich?

Du darfst wissen, das ich sehr viel Jahre meines Lebens mit abwärtsdrehenden Gedankenspiralen verschwendet habe. Alles was im Kopf bleibt, kann meiner Erfahrung nach( was auch die moderne Hirnforschung bestätigt) nicht konstruktiv verändert werden. Also habe ich angefangen, aufzuschreiben, wo ich gerade stehe. Das verschafft mir einen echten Überblick und bringt die Gedanken aus dem Kopf.

Folgende Fragen haben mir geholfen, mehr Klarheit zu bekommen:

1.Was will ich gerade überhaupt nicht wahrhaben?

Hier ist echte Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber gefragt!

Diese Frage hilft mir dabei, von dem „nicht Akzeptieren“ der momentanen Situation aus der Schockstarre zu kommen.

Ich wollte z. B. überhaupt nicht wahrhaben, das ich sehr krank war und notwendigerweise operiert werden musste.

Oder ich Jahre später chronisch erschöpft war und mir das nicht eingestehen wollte.

Solange ich aber einen Ist Zustand nicht wahrhaben will, kann weder ich oder jemand im Außen mir helfen.

Hilfe und Selbsthilfe können wir nur starten und erwarten, wenn wir uns aktiv mit der Situation auseinandersetzen.

2. Auf wen oder was bin ich gerade richtig sauer?

Oft haben wir in einer Krise unglaubliche Wutgefühle uns selbst oder einer Person gegenüber, die uns tief verletzt oder enttäuscht hat. Diese Gefühle müssen raus. Was kann helfen?

-Das kann ein Brief an die besagte Person sein, den ich nie abgeschickt habe und später verbrannt habe.

– Das kann ein Gespräch mit einer Person meines Vertrauens sein, wo ich kein Blatt vor dem Mund nehmen muss.

– Das kann eine intensive Sporteinheit sein, nach der ich völlig ausgepowert bin.

– Als mein Sohn noch jünger war, habe ich ihm ein extra „Wut- Kissen“ zum verhauen gegeben. Er braucht es eher selten. Ich dagegen nutze es auch heute noch regelmäßig. Wut ist wichtig und darf sein. Wut ist eine sehr starke Energie.

Wichtig ist es , dieser extremen Energie Raum zu geben!! Wenn wir sie in uns behalten, kann sich der Zustand der Krise verschlimmern und schlimmstenfalls in eine Depression abgleiten.Emotion bedeutet Energie in Bewegung.

E- (Energie ) und – motion ( Bewegung).  Sorge stets dafür, das blockierende Energie Deinen Körper wieder verlässt! Atme besonders in dieser Zeit lange und intensiv aus. Hektisch einatmen oder die Luft hälst Du sowieso schon oft genug an.

3.Wie geht es jetzt weiter?

Nach einer gewissen Zeit weicht meinem Widerstand irgendwann das Verstehen. Ich beginne, die Situation genauer zu sehen, zu verstehen und die dadurch Veränderung zu akzeptieren. Es ist auch so, dass es mir in dieser Reflexionsphase  manchmal sehr schlecht geht und ich viel Ruhe brauche. Diese nehme ich mir dann auch und signalisiere meinem Umfeld, das ich gerade jetzt sehr dünnhäutig bin und bitte um Schonung. Klappt nicht immer, wie Du Dir vorstellen kannst.Es ist jedoch besser als nichts zu sagen, da meine Familie oder früher meine Kollegen manchmal glaubten, sie wären für meine leise, gedrückte Stimmung verantwortlich. Heute sage ich es einfach. Dann weiß jeder, woran er ist und aktiviert keine unnützen Schuldgefühle.

4.Akzeptieren, was ist.

Die Akzeptanz des Ist – Zustandes ist im Prozess einer Krisenbewältigung der wichtigste Schritt.

Akzeptieren bedeutet nicht, gut zu finden, was passiert ist oder es schön zu reden. Es bedeutet für mich, mich nicht länger dagegen zu wehren und dem, was passiert ist, zuzustimmen. Es ist wie es ist. Ich kann weiter dagegen kämpfen oder schauen, was ich aus diesem Ist – Zustand jetzt machen kann.

Lange Gespräche mit einer guten Freundin brachten neue Ideen. Auch habe ich mir immer wieder fachlichen Rat von einem Coach oder Berater geholt, da diese im Gegensatz zu Freunden, eine noch objektivere Sichtweise auf mein Problem hatten, was den Lösungsprozess enorm beschleunigt hat.

Also: Hol Dir Unterstützung!

5. Was kann ich Gutes aus dieser Krise mitnehmen?

Wenn ich es geschafft habe, mich von der Krise zu erholen, versuche ich mein „Lerngeschenk“ zu erkennen.

Was war das Positive an dieser Erfahrung?
Was habe ich über mich gelernt?
Habe ich daraus neue Stärken entwickelt?
Wofür war die Krise wichtig?

6. Meinen Frieden mit dem Geschehenen machen!

Manchmal denke ich, wie wäre es wohl gewesen, wenn ich diese Erfahrung nicht gemacht hätte? Wenn meine Kindheit liebevoll verlaufen wäre?  Wenn ich so viele Schmerzen nicht erfahren hätte?

Es macht keinen Sinn, diese Hypothesen aufzustellen. Es macht auch keinen Sinn, Menschen, die mich sehr verletzt haben, weiterhin Vorwürfe zu machen. Das ist so, als wenn ich mit meiner Vergangenheit streite, wo ich sie doch einfach nicht mehr verändern kann! Damit blockiere ich mich selbst. Ich kann nur meine Einstellung zu den Geschehnissen ändern. Je schneller ich die gemachten Erfahrungen akzeptiere, desto schneller kann ich in meiner Gegenwart sein und weiter in meine Zukunft gehen. Wenn ich die Verantwortung für mein Wohlbefinden übernehme , gewinne ich wieder die Kontrolle über mein Lebens zurück. Damit nehme ich anderen die Macht über mich.

Ich sitze wieder am Steuer meines Lebens.

P.S.:Dieser ganze Prozess braucht Zeit. Das wichtigste ist, weiter Geduld mit sich selbst zu haben. Erwarte nicht zu viel auf einmal von Dir.

Es dauert eben solange es dauert. In Deinem Tempo.

Alles Liebe für Dich. Behandle Dich gut, Deine Anja

Wie gehst Du mit Krisen um?

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